Dabeibleiben, kreativ werden, kritisieren und nerven bis der Tod kommt.
Das meint Erik FlĂŒgge - Politikberater, Beteiligungsexperte, Autor, Redner und bekannter Kritiker der Kirche(n) - schreibt.
Danke fĂŒr die Abdruckgenehmigung.
Dabeibleiben, kreativ werden, kritisieren und nerven bis der Tod kommt.
Das meint Erik FlĂŒgge - Politikberater, Beteiligungsexperte, Autor, Redner und bekannter Kritiker der Kirche(n) - schreibt.
Danke fĂŒr die Abdruckgenehmigung.
Keiner von uns altert gerne. Die Konsequenz ist, dass wir uns nicht so gerne mit dem Alter beschĂ€ftigen. Wir drĂŒcken das Thema gesellschaftlich weg. In Altersheime zum Beispiel â gesamtgesellschaftlich getreu dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. FĂŒr unser eigenes Wohlbefinden ist das leicht erklĂ€rlich, aber richtig unangenehm ist das fĂŒr die alten Menschen. Deshalb ist es gut, dass die Kirchen so sehr auch auf die Ăltesten setzen. FĂŒr viele einsame alte Menschen ist die Kirche einer der ganz wenigen gesellschaftlichen Anschlusspunkte. DafĂŒr zahle ich gerne meinen Beitrag.
Schnelle Frage: Welche staatliche Institution kennt sich mit Trauerarbeit aus? â Richtig, keine. Auf keinem Rathaus in Deutschland gibt es Menschen, die geĂŒbt darin sind, Angehörige durch die Trauer zu begleiten. Totenscheine ausstellen können die. Aber das hilft in der Trauer leider nichts. Die Kirchen finanzieren aus Kirchensteuermitteln ein flĂ€chendeckendes Netz der Sterbe- und Trauerbegleitung. Irgendwann braucht das jeder von uns.
Junge Menschen werden in Deutschland fein sĂ€uberlich auf Schulen sortiert. Leider passiert das nicht nach Intelligenz, sondern viel mehr nach Elternhaus. Je gebildeter und einkommensstĂ€rker die Eltern, desto eher landet ein Kind auf dem Gymnasium. Nachgewiesen wurde das schon in unzĂ€hligen Studien, effektiv geĂ€ndert hat noch niemand was daran. Deshalb sind die kirchlichen Lehr- und Lernveranstaltung wie der Firmunterricht oder Konfirmationsunterricht so interessant. Sie bilden eine der ganz seltenen gesellschaftlichen Gelegenheiten, bei denen sich junge Menschen ĂŒber Schularten hinweg begegnen und gemeinsam lernen. FrĂŒher gab es das sonst in der GröĂenordnung nur noch beim Bund und beim Zivi. Beides gibtâs nicht mehr.
Warum sollte man etwas fördern, was zutiefst irrational ist? Wollen wir nicht, dass alle und alles sich an Fakten orientiert? â Nein! Denn das Denken auĂerhalb der Bedingungen der Logik ist der Anbeginn von KreativitĂ€t und Kunst. Die lĂ€sst sich nĂ€mlich nicht berechnen, sondern entsteht im freien Spiel der KrĂ€fte. KreativitĂ€t und Kunst sind der SchlĂŒssel dazu, dass Menschen Dinge völlig neu und anders denken. Sie sind die Quelle des Erfindergeistes. Alle Prognosen fĂŒr die Zukunft unseres Wirtschaftssystems besagen, dass die KreativitĂ€t immer wichtiger werden wird, allerdings drĂ€ngen wir gleichzeitig die KreativitĂ€t immer mehr zurĂŒck. Alles muss effizienter, zielgerichteter, prĂ€ziser laufen in unserer Gesellschaft. Jeder wird darauf getrimmt, sich zu optimieren. Die RĂ€ume fĂŒr freies Gedankenspiel nehmen ab. Deshalb ist es gut, wenn es in der Mitte unserer Gesellschaft mit den Kirchen irrationale Akteure gibt, die eher unlogisch als logisch funktionieren, ineffizient statt zielgerichtet, diskursiv statt prĂ€zise.
Einer der fĂŒr mich besten GrĂŒnde in der Kirche zu bleiben ist, dass die Kirchen durch meinen Austritt ihren Einfluss in der Gesellschaft nicht verlieren wĂŒrden, aber einen internen Kritiker. Solange Leute wie ich in der Kirche Mitglied sind, muss die Kirche auch RĂŒcksicht auf Leute wie mich nehmen. Sie versucht uns zu binden und zu halten und das trĂ€gt mit dazu bei, dass allzu radikale Positionen sich nicht durchsetzen. DafĂŒr bleibe ich gerne.